Christus, Rilke und der Maler Hapé

Kritik zu Elf Visionen von R. M. Rilke
von Marlene Krisper, Marlene-Haushofer-Forum, 2014


Hapé Schreiberhuber wagt sich nicht zum ersten Mal als Rezitator, er wagt es auch nicht zum ersten Mal, sich auf Rilke einzulassen. Wir erinnern uns an seine beeindruckende Performance des Cornet - der berührenden Geschichte vom Kriegstod des 18-jährigen Fähnrichs - im beziehungsvollen Rahmen der Schlosskapelle (Styraburg Festival 2012). Er hat  da offenbar eine Affinität zur freien, rhythmischen Lyrik. Und er schafft es auch - auf weite Strecke - die Zuhörer in seinen und den Rilkeschen Raum zu locken, selbst wenn er mit ungewöhnlichem Pathos gegen den Zeitgeist spricht. Wir sind es nicht mehr gewöhnt, dem hohen emotionalen Ton zu folgen, wir reagieren fast schamhaft, wenn wir auf unsere innersten Gefühle angesprochen werden. Es ist für den Einzelnen eine Frage der Dosis, wieweit er der Rilkeschen Gefühlswelt folgen will.
Rainer Maria Rilke bringt mit seinen 11 Christus Visionen den Mensch gewordenen Gottessohn zu uns auf die Erde. In 11 Stationen erleben wir Christus - losgelöst aus  seinem traditionellen Bild - in realistischen poetischen Visionen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß dieser frühe Gedichtszyklus zu Lebzeiten des Dichters nicht veröffentlicht wurde.
Hapé Schreiberhuber hat eine sprachliche und physische Meisterleistung erbracht. Mit sparsamen Requisiten schafft er den nötigen Erlebnisrahmen. Er ist ganz bei sich selbst und zugleich ganz bei Rilke: So wie Rilke, wenn er einen Baum beschreibt, gleich Baum sein möchte, so Hapé, wenn er Christus rezitiert, gleich Christus zu sein anstrebt.

 

Die Zigarren des Zola – ein Geburtstag mit Rilke und Cézanne

Kritik zur Premiere bei der Kunstwoche 04.07.2014
von Martina Wintschnig, Wien

„Kommen Sie, hier ist noch ein Platz! Wollen Sie ein Glas Wein?“ Mit diesen Worten und einer Flasche Wein in der Hand begrüßt die Schauspielerin Nicola Trub die Zuschauer an der langen, weiß gedeckten Tafel im Atelier des Malers Hapé Schreiberhuber, das den Schauplatz für den Abend „Die Zigarren des Zola - ein Geburtstag mit Rilke und Cézanne“ bietet.
Während die ersten Gäste aus den Obstschalen Weintrauben nehmen und an ihren Gläsern nippen, liegt der Kopf von Hapé Schreiberhuber auf seinen Ellbogen vor einer Leinwand am Ende des Tisches.
Erst als jeder Platz am Esstisch besetzt ist und sich Nicola Trub aufrecht an das andere Ende der festlichen Tafel gesetzt hat, hebt Hapé Schreiberhuber, der an diesem Abend Paul Cézanne verkörpert, den Kopf und kratzt mit dem Pinsel Farbe auf ein Gemälde. Der Pinselstrich sitzt. Die ersten Sätze, die Cézanne in seinem Atelier an seinen Freund Emile Zola schreibt, leiten den Dialog zwischen dem Maler und seinen Adressaten ein: Es sind Gedanken, die Paul Cézanne überwiegend ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in Kuverts steckte und an seine Vertrauten Emile Zola und Rainer Maria Rilke abschickte. Es sind Briefgeheimnisse, die von seinen Brieffreunden beantwortet worden sind und jetzt von den zwei Darstellern abwechselnd geöffnet werden.
Die erfahrene Schauspielerin Nicola Trub wählte behutsam die Texte aus und entwickelte gemeinsam mit Boris Pietsch das Konzept. Mit Hapé Schreiberhuber fand sie einen bildenden Künstler, der sich überzeugend in den französischen Maler, der von 1839-1906 lebte, hineinversetzt.
Wie die Farben auf der Leinwand spiegeln die Texte eine bunte Gefühlspalette wider und formen sich Brief für Brief zu einer Ideenlandschaft, die Paul Cézanne und seine Briefpartner betreffen. Das Publikum blickt in der einstündigen Theaterperformance u.a. mit den beiden Sprechern auf die Ängste des Malers vor seinem Vater, auf dessen prekäre finanzielle Situation, auf die durch ein „schändlich Aas am Wegesrand“ ausgelösten Gedanken über die Vergänglichkeit von Charles Baudelaire sowie auf Ideen über die Liebe, die Trennung und auf die Wirkung von Landschaften.
Die Spannung entsteht durch die gefühlvolle Präsentation und die puzzlesteinartige Aneinanderreihung der Texte. Nicht immer weiß der Gast im Atelier, wer gerade an den Maler geschrieben hat. Da die beiden Schauspieler jedoch geschickt den Sprechrhythmus verändern, erzeugt dies Neugierde.
Der Schlusssatz „Heute habe ich über Cézanne erzählt“ eröffnet die Diskussion. Die beiden, die gerade noch die  Schauspieler waren, setzen sich ins Publikum und genießen jetzt mit den anwesenden Zuschauern den Dialog, der die Nacht erhellt. Großer Applaus.

 

Expressive Texte zur leise singenden Gitarre

Rezitator Hapé Schreiberhuber und Musiker Michael Kolberg
tragen Rilkes Christus-Visionen vor.
von Heike Eickhoff / Westfälische Nachrichten 07.05.2014

Münster. Die Gitarre Michael Kolbergs zauberte Stile. Meist als Slide Guitar auf den Schoß gelegt, mit einem Metallstab oder einem kurzen Kupferrohr bearbeitet, surrte und sang sie leise vor sich hin und unterstrich im Kleinen Bühnenboden die Wirkung von Rainer Maria Rilkes elf Christus-Visionen. Der österreichische Maler und Rezitator Hapé Schreiberhuber hatte sie allesamt auswendig gelernt. Kolbergs Gitarre ergänzte Stimmungen, schuf Überleitungen oder gar kleine Zwischenakt-Musiken. Wo Schreiberhuber das Wort Rilkes getreu verinnerlicht hatte verließ sich Kolberg auf ruhige, leise Improvisationen, die stets vom Text beeinflusst waren. „Es ist Leidenschaft”, meinte Schreiberhuber. Sie habe ihn dazu veranlasst, diesen umfangreichen Zyklus Rilkes auswendig zu lernen.
Ein Hocker für den Gitarristen, ein schwarzer und ein weißer Stuhl für den Sprecher - und ein gewollt strenger, optisch karger Rahmen für die expressiven Texte. Manchmal nutzte Schreiberhuber ein Mikrofon mit Raumhall für Jesu Stimme.
Kolberg betrat die Bühne zuerst, legte die Gitarre auf den Schoß und lockte aus sanften Glissandi eine verhalten emporsteigende Melodie hervor. Mit den letzten Tönen kam Schreiberhuber dazu, barfuß, im weißen Hemd, eine Palette und Pinsel in der Hand. Denn zuerst rezitierte er das Gedicht „Der Maler”, und Kolberg fügte dem hauchzarte akustische Schneeflocken hinzu. „Die Kinder”, „Der blinde Knabe”, „Judenfriedhof” und „Die Nonne” folgten. Glockenähnliche Töne der Gitarre, täuschend echt ausgeführt, führten zudem in das Gedicht „Die Nacht” ein.
Ziemlich verzweifelt ließ Schreiberhuber im zweiten Teil Jesus auf dem Oktoberfest in München („Jahrmarkt”), ausgestellt in einer ärmlichen Bude, hauchen: „Ich selbst bin jener alte Ahasver.” Weitere Gedichte formten einen dichten, ergreifenden Abend ohne Längen, aber voller Bilder und Emotionen. Schade nur, dass nicht mehr Lyrikfreunde den Weg in den Kleinen Bühnenboden fanden.

 

Kritik zur 3. Malerei & Musik-Performance von Yuliya Hauryliuk und Hapé Schreiberhuber

von Balduin Sulzer
Kronen Zeitung, OÖ, 19.5.2008

Als geradezu exzessive Klanglyrikerin präsentierte sich die junge Geigerin Yuliya Hauryliuk aus Minsk anlässlich des Styraburgfestes im Schlossatelier Steyr. Mit Kompositionen von Massenet, Bloch, vor allem aber mit der „Ciaconne” aus Bartóks Violin-Solosonate vermochte die Künstlerin zu überzeugen: mit ihrem breit strömenden, geballte Kraft signalisierenden Ton, der überragenden Klangkultur, der penibel kontrollierten Intonation und mit ihrer ungehemmt ausschwingenden Emotion. Mit annähernd glückhafter Zielstrebigkeit entwickelte sich auch die zeitgleiche Malerei-Performance des Steyrer Künstlers Hapé Schreiberhuber.

 

Kritik zur Einzelaustellung De Profundis

Galerie PerforArt, Barcelona, Juli 2005
von Iván Sánchez, freier Kritiker in Barcelona
Übersetzung: Judith Weinberger

In den letzen Jahren setzte sich Hapé in seiner Malerei mit der weiblichen Schönheit vor allem mit Ihrem Antlitz auseinander. Hapé malt in seiner Huldigung an die „weibliche Emotionalität” als Mann mit zum Teil wilder  Ausdruckskraft bis hin zu klarster, aber auch erschreckendster Figurenhaftigkeit.

In seinen Bildern vom Gesang verführerischer Sirenen schleicht sich manchmal der Ausdruck des Todes ein, der stetig und aufmerksam lauert. Bei seinen Sirenen markiert der Maler mit einer einzigen klaren Linie die Farbe eines verborgenen Gefühls, das eingesperrt und eingefroren in der Zeit ausharrt. Das Lächeln auf den Lippen der Sirenen erscheint jedoch bei genauerem Hinsehen äußerst beunruhigend und drückt eine seltsame Stille aus, wie nur die Augen eines Verurteilten aus den Tiefen des  menschlichen Herzens schreien können.

Hapé ist weiter in diese Tiefen vorgedrungen und hat uns „einen schönen Blumenstrauß“ überreicht, wenn auch mit einem eiskalten Lächeln, das uns die Seele gefrieren läßt. Seine Bilder zu betrachten ist, wie in einen undurchsichtigen Spiegel  zu blicken. Dies verändert unsere Vorstellung, an die wir am tiefsten und abgründigsten glaubten: unser gering geschätztes Ich.

 

Kritik von L´Altrage

Gruppenausstellung in der Galerie PerforArt Barcelona
Zeitschrift amicart, Barcelona 7/2004
L´Altrage, Kritiker in Barcelona
Übersetzung: Judith Weinberger

Um das auszudrücken, was er verinnerlicht hat, nutzt Hapé als geeignete Ausdrucksform den Expressionismus ohne den er „stumm"wäre. Sein Ausdruck von Farbströmen und Linien wirkt als Befreiung von pastosen Schichten und entwirrten, grafischen Linien. Wenn er in den Spiegel blickt, malt er den Nabel der Welt als wäre dieser sein Selbstbildnis.